Apropos Fahrschule

Selten (oder nie?) bin ich so viel Sexismus konzentriert an einem Ort begegnet, wie in der Fahrschule.

Ich hatte mit verschiedenen Fahrlehrern zu tun, habe viele Fahrstunden genommen und es gab kaum eine Einheit ohne sexistischen Kommentar.

Das beginnt schon bei der Frage: „Fährt der Papa manchmal mit dir und seinem Auto?“. Nein, der hat keinen Führerschein und kein Auto, meine Mama fährt mit mir.

Ist das eine harmlose Frage und bin ich kleinkariert, wenn ich meine verschiedenen Fahrlehrer, die mich das fragen sexistisch nenne? Nein, ich finde nicht. Natürlich hat er nicht gesagt: „Frauen können nicht Auto fahren“ und wahrscheinlich ist er sich nicht bewusst, dass seine Frage sexistisch ist. Aber gerade das zeigt, wie tief diese Geschlechterrollen in den Köpfen verankert sind, auch in kleinen Bereichen des Lebens: der Mann hat das Auto in der Familie. Der Vater bringt dem Kind das Autofahren bei.

Etwas offensichtlicher und auch schlimmer war folgende Situation: Ein Fahrlehrer nennt mich (und sicherlich auch andere Schülerinnen) kontinuierlich „Mausi“ und fragt mich nachdem ich einen Fehler gemacht habe: „Na Mausi, was haben wir denn jetzt falsch gemacht?“ in einem leicht herablassenden Ton. Am Tag meiner Prüfung bin ich mit vorläufigem Führerschein in der Hand in die Fahrschule gegangen, um dieses Verhalten zu melden, davor habe ich mich nicht getraut. Meine Beschwerde wurde routiniert aufgenommen doch was seither passiert ist, weiß ich nicht.

Vor kurzem hatte ich meine erste Perfektionsfahrt mit einem recht netten Fahrlehrer. Wir fuhren 1,5 Stunden durch die Stadt und abgesehen von ein paar Kommentaren, was ich noch besser machen sollte, verbrachten wir die Zeit nett plaudernd. Gegen Ende erzählte er mir von einer Frau, die in einer sehr hohen Position in einem männlich-dominierten Berufsfeld arbeitet. Und nach einer kurzen Pause sagte er: „Aber die findet nie einen Mann“. In dem Moment war ich so vor den Kopf gestoßen, dass ich nicht sofort reagieren konnte. So vieles an dieser Aussage ist unglaublich schrecklich! Und gleichzeitig war mein Gedanke: der Fahrlehrer wird diese tiefsitzenden Ansichten nie ändern und sieht auch gar nichts Falsches daran. Ich hab also naiv gespielt und nachgehakt: „Aber warum denn?“ (Was ich eigentlich sagen wollte war: WER SAGT DENN, DASS SIE DAS WILL???). Seine Antwort war: „Na, es gibt keinen Mann, der sich so einer Frau unterordnet“. Und wieder war ich vollkommen perplex. So viele Gedanken, so ein großer Drang zu schreien. Alles was ich aber herausbrachte war: „Warum muss sich denn jemand unterordnen?“. Darauf bekam ich keine Antwort. Ich glaube es gibt keine, nur noch mehr Fragen: Vielleicht will die Person ja gar keine Beziehung!? Vielleicht will sie eine Beziehung mit einer Frau? Vielleicht sind nicht alle Männer sexistische Idioten, die eine beruflich bessere und lukrativere Stelle als ihre Partnerinnen brauchen, um sich vollwertig zu fühlen!? Und vielleicht geht uns das Privatleben der Frau auch einen Dreck an!? Mit all diesen Gedanken und voller Wut stieg ich am Ende der Stunde aus, keine der Fragen geklärt und meinem Zorn keinen Ausdruck verleiht.

J.

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